Freitag, 27. Dezember 2024

Im Fluss


Die Felder sind bestellt,
die Arbeit ist getan.
Für das, was uns hier hält,
gibt es noch keinen Plan.


Das Tagwerk ist vollbracht.
Am Horizont kein Licht,
das hell über uns wacht,
das unsere Trägheit bricht.


So ewig scheint die Nacht,
die sich herniederlegt,
gar still und mit Bedacht
durch matte Glieder fegt.


So lehrt uns jene Stille,
dass alles ist im Fluss,
auch nimmermüder Wille
mal schlafen gehen muss.


© Nicole Schönfeld 2024


Einfach sein


Heute ist mein fauler Tag,
tue nur, was ich gern mag.
Müßig sein bei gutem Tee,
sag ich allem Stress ade.


Ganz egal, wer heut was will,
alle Uhren steh'n heut still.
Kein Bemühen, ohne Last,
kein Gedrängel, keine Hast.


Langes Schlafen, weckerfrei,
ruft mich keine Pflicht herbei.
Ich mit mir und ganz allein,
heute darf ich einfach sein. 


© Nicole Schönfeld 2024


Dienstag, 24. Dezember 2024

Schönste Zeit

 

Weihnachten, du schönste Zeit
auf der Erde weit und breit.
Bunte Kugeln, Lichterkerzen,
lächelnde und offene Herzen.


Helle Fenster, laute Glocken,
warme Mützen, dicke Flocken.
Tannenduft und gutes Essen,
Weihnachtslieder unterdessen.


Warme Plätzchen, Augenglanz,
Handschuhe und Lichterkranz.
Rote Nasen, Schneeballschlacht,
Heiligabend, stille Nacht.


Schneegestöber, pudelnass,
träumen, hoffen, wünschen, dass
Frieden aus den Wolken schneit.
Weihnachten, du schönste Zeit.


© Nicole Schönfeld 2024


Montag, 23. Dezember 2024

Zeitengeist

 

In der Ferne, weite Sicht
glimmt vor meinen Augen auf.
Schließe sie und scher’ mich nicht
um des eigenen Schicksals Lauf.


Unerkundet flieht der Duft
aus den Lettern neuer Seiten,
aufgestaut, durchsetzt die Luft,
um in mich hineinzugleiten.


Schon bewegt das müde Bein
sich und zieht das andere mit.
Ausdruckslos, läuft querfeldein,
was meinem Entschluss entglitt.


Fest an Marionettenseilen
häng’ ich regungslos und still,
hier im Zeitengeist zu weilen,
weil das Schicksal es so will.


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 22. November 2024

Unsere Männer

 

Unsere Männer lassen wir
nicht an euren Fronten sterben,
nicht für eure kranke Gier
dort verrotten und verderben!


Offen und ganz unverhohlen
schmiedet ihr am Untergang.
Habt der Welt den Tod befohlen,
nährt euren Zerstörungsdrang.


Niemals lassen wir sie ziehen
in den Abgrund eurer Sünden,
euren Scheindemokratien,
die euch jeden Krieg begründen.


Tosend werden wir uns wehren,
wagt es nicht, sie anzurühren!
Spart euch eure falschen Lehren,
siegen heißt zugleich verlieren.


Ganz egal, wie euch geheißen,
beißend, keifend werden wir
sie aus euren Krallen reißen.
Unsere Männer bleiben hier!


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 15. November 2024

Stoizismus

 

Dezente Schleier
zieh’n sich fest
über Lebenslagen.
Die alte Leier
hinterlässt
nunmehr keine Fragen.


Mich jagt nichts mehr,
Resignation
tief unter meiner Haut.
Nichts ist sehr,
alles schon
fest gezurrt verstaut.


Nichts empört,
darf entfliehen,
was die Welt vergisst.
Ungestört,
längst verziehen,
ist es, wie es ist.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: Ultravox - Vienna


Freitag, 1. November 2024

Sekkatur

 

Sie ist dir immer auf den Fersen.
Sie findet dich mit aller List.
Sie scheint in allen Multiversen
dort zu sein, wo du auch bist.


Die Richtung, die ist ganz egal.
Ob links, ob rechts, ob geradeaus,
sie findet dich ein jedes Mal.
Sie lauert dort vor deinem Haus.


Und immerzu blickst du dich um,
erwartest sie mit jedem Schritt.
Steht sie vor dir, bleibst du stumm,
machst das jahrelang schon mit.


Du fühlst dich ständig ausgebrannt,
sobald die Tür ins Schlosse fällt,
wünschst dir sehnlichst eine Wand
zwischen dir und ihrer Welt.


Doch musst du sie wohl tolerieren,
ist die Sekkatur auch echt.
Sie geht doch einfach nur spazieren,
das ist nun mal ihr gutes Recht.


© Nicole Schönfeld 2024


Bilder

 

Zum Gedicht "Bilder"

© Nicole Schönfeld 2024


Sonntag, 27. Oktober 2024

Facetten

 

Sie tänzelt auf Geländern,
dreht sanfte Pirouetten.
Sie wird sich nicht verändern,
sie wechselt nur Facetten.


Sie passt nicht in Schablonen,
auch wenn’s die Welt empört
und stets wird sie betonen,
dass sie nur sich gehört.


Ihr hängt an euren Dingen,
sie hängt in ihren Seilen.
Sie möchte nichts erzwingen,
schon gar nicht sich beeilen.


In Wonnen will sie toben,
Essenzen ganz durchdringen.
Sie klettert ganz nach oben,
um tief hinabzuspringen.


In schwerelosen Wogen
erlaubt sie sich, zu schweben
und surft den Regenbogen
entlang, hinein ins Leben.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: Laid Back - Bakerman


Freitag, 25. Oktober 2024

Vergebung

 

Das Wort, das verletzt.
Die Gruppe, die hetzt.


Der Blick, der verpönt.
Der Hass, der verhöhnt.


Das Rudel, das frisst.
Das Ego, das misst.


Die Bürde, die kneift.
Die Stimme, die keift.


Das Opfer, das klagt.
Der Mensch, der versagt.


Die Heilung, die keimt.
Die Sprache, die reimt.


Das Wesen, das liebt.
Der Mut, der vergibt.


© Nicole Schönfeld 2024


Bilder

 

Dieses Bild dort an der Wand,
es erzählt eine Geschichte,
zeugt vom heilen Sippenband,
macht das Unheile zunichte.


Was sich rückseitig verbirgt,
mag so gerne sich verstecken,
hat im Anschein sich verwirkt
und darf diesen nicht beflecken.


Denn das, was zusammenhält,
wird von Tarnung überlichtet,
weil sonst auseinanderfällt,
was die heile Welt vernichtet.


Und so lügen die Geschichten
in den Bildern an den Wänden,
um die Bande zu verpflichten,
alle Wahrheit zu verblenden.


© Nicole Schönfeld 2024


Ideal

 

Siehst mich an,
doch siehst nicht hin.
Erträumst dir dann,
was ich nicht bin.


Du suchst in mir
dein Ideal.
Ich sag es dir
gleich noch einmal:


"Enttäusche dich
nicht allzu oft,
nur weil es sich
so leicht erhofft.


Ich werde nie
und will auch nicht
zu jener, die
dir voll entspricht.


Ließ diese Zeilen
und lass mich sein,
dann will ich weilen,
dann bin ich dein."


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 18. Oktober 2024

Scheitern

 

Fehlschläge im freien Fall und
Kräfte prallen unsanft auf,
verenden auf dem harten Grund
und gehen dort für immer drauf.


Denn was ich auch berühre,
es zerfällt mir in der Hand.
Es entflieht aus meiner Türe,
dann zerschellt es an der Wand.


Unverzagt kriech’ ich zurück
ins verheißungsvolle Haus,
doch in einem großen Stück
spuckt es mich dann wieder aus.


Die Erfolge auf der Strecke,
doch die Ausfahrt kenn’ ich nicht
und sobald ich sie entdecke,
ist sie auch schon wieder dicht.


Wo mich nun der Ehrgeiz ruft,
scheint der Weg mit Frust vermint.
Hab mich längst herabgestuft,
den Erfolg wohl nicht verdient.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: Kenny Rogers - The Gambler


Projektion

 

Was der Hass in dir geschaffen,
werden Kriege niemals lösen.
Darum senke deine Waffen,
nicht die anderen sind die Bösen.


Sieh, der Hass ist nur in dir,
keimt in dir und wächst heran.
Doch dann suchst du ihn in mir,
wo er sich entladen kann.


Dann zerstörst du meine Welt.
Doch der Hass, er bleibt hinfort.
Stehst entmutigt auf dem Feld
und besinnst dich auf mein Wort.


Das, was wir dem andern fügen,
tun wir unserer Seele an.
Lass dich nicht vom Hass belügen,
weil mit ihm der Krieg begann.


© Nicole Schönfeld 2024


Sonntag, 13. Oktober 2024

Perspektiven

 

Eingezäunt in Stacheldraht,
Kugelhagel, Handgranaten,
schon das dritte Attentat
in der Nähe, Angst auf Raten.
Zukunft scheint nur optional.
Puls am Limit, bittere Not,
Lebenswünsche ganz trivial,
immerzu vom Tod bedroht.
 
Heute hab ich mich beklagt,
weil das Internet ausfiel,
auch mein Wecker hat versagt.
Alles war mir heut zu viel.
Stressig war der Arbeitstag,
viel zu stockend der Verkehr.
Das ist mehr als ich ertrag’.
Dieses Leben ist so schwer.


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 11. Oktober 2024

Gewissheit

 

Im Traume jener Kindheitstage
liegt ein Zauber unbedarft,
der sich hütet vor der Frage,
welche ihn als Traum entlarvt.


Ohne gestern, ohne Morgen,
unschuldig im Kinderbett,
geistert er ganz ohne Sorgen
übers arglose Parkett.


Tönend summt das Wiegenlied,
unverbrauchte Lobeslieder,
bis der Zauber uns entflieht
in die altersschwachen Glieder.


Dort, wo uns Gewissheit jagt,
scheint die Frage plötzlich nah.
Flüsternd spricht sie ungefragt:
"Sind wir morgen auch noch da?"


© Nicole Schönfeld 2024


Mittwoch, 9. Oktober 2024

Ich allein

 

Hoffnungslos in mir gefangen,
alte Muster sträuben sich.
Selbstliebe wird übergangen
hier im altbekannten Ich.


Darin haust es sich bequem.
Ich allein bin das Problem.


Trotzend gern mit mir allein,
irreführendes Signal,
will ich dennoch mit euch sein,
doch entfliehe jedes Mal.


Schuldbeladen und extrem,
ich allein bin das Problem.


Zeige mich nicht in der Not,
weine hinter jener Tür.
Misstrauen mein Hauptgebot,
eingenistet tief in mir.


Eingeübt ist mein System.
Ich allein bin das Problem.


Bin ich wütend auf die Welt,
wüte ich nur gegen mich.
Rüstend bin ich aufgestellt,
kämpfe unerschütterlich.


Ist es mir auch nicht genehm.
Ich allein bin das Problem.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: Taylor Swift - Anti-Hero


Dienstag, 8. Oktober 2024

Der Panzer

 

Morgens nach dem ersten Tee
leg’ ich meinen Panzer an.
Wo ich weile, wo ich geh’,
wo ich sitze, wo ich steh’,
lässt er nichts an mich heran.


Dicht umhüllt er meine Haut,
abgeschottet von der Welt,
drängend, jederzeit zu laut,
in ihm alles angestaut,
bis er abends von mir fällt.


Schutzlos später in der Nacht,
jede Angst der nächsten gleicht,
alle Wut sich nun entfacht,
niemand hier, der mich bewacht,
bis die Nacht dem Morgen weicht.


Dann trink’ ich meine Tasse leer
und zwänge wieder mich hinein.
Ist er mir auch lastenschwer,
will ich dennoch niemals mehr
ohne meinen Panzer sein.


© Nicole Schönfeld 2024


Sonntag, 6. Oktober 2024

Scheinheilig

 

Hoch oben am Kopfe,
da ziert er so licht,
umrundend den Schopfe
und tut seine Pflicht.


Das Werte erkennend,
so will er es hüten,
vom Unwerten trennend,
das Rechte vergüten.


Den Finger erhebend,
moralisch und rein,
erklärt er uns schwebend
rechtmäßiges Sein.


Doch wie der Wein rinnt,
wo Wasser gepredigt,
das Scheinen beginnt,
dem Heil sich entledigt.


So scheint er uns heilig,
der Heiligenschein.
Doch hat er’s nicht eilig,
sehr heilig zu sein.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: Genesis - Jesus He Knows Me


Freitag, 4. Oktober 2024

Der Moment

 

Drei Fragen klopfen an die Tür.
Ich bitte sie herein.
Zwei schweigen, eine deutet mir,
sie wird die Erste sein.


"Wo bist du?" fragt sie mich sodann.
Meine Antwort lautet: "Hier."
Da tritt der zweite Gast heran
und wendet fragend sich zu mir.


"Kannst du mir die Uhrzeit sagen?"
Ich entgegne: "Es ist jetzt."
Eines lass uns dich noch fragen,
sage uns zuallerletzt:


"Weißt du denn auch, was du bist?"
- "Was das Gleich vom Gestern trennt,
was nicht war, nicht wird, nur ist.
Was ich bin, ist der Moment."


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert vom Pfad des friedvollen Kriegers


Freitag, 27. September 2024

Selbstbetrug

 

Perfekt bist du und besser noch,
dein Antlitz dir von höchstem Wert.
Es scheint von Zeit zu Zeit jedoch
im Angesicht der Welt verzerrt.


So endlos ist dein Selbstbetrug,
so tief vergraben alle Scham.
Kein wahres Wort je wahr genug,
das jemals deinem Mund entkam.


Dort stehst du also ganz allein
und fehlerfrei auf dem Podest.
Bist ewig groß und niemals klein,
hast dich als Kind nie eingenässt.


Mit diesem Bild wuchst du heran,
bist dir im Spiegel nie begegnet.
Ich bitte nur, piss’ mich nicht an
und erzähl mir, dass es regnet.


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 13. September 2024

Subventionsmaximierer

 

Sie maximieren Subventionen.
Leben dafür, sich zu schonen
und erfreuen sich daran,
sich fürs Nichtstun zu belohnen.


Egoistische Aktionen
schaffen gleicherlei Optionen.
Dabei werden sie nicht müde,
Altruismus zu betonen.


Drohen ihnen dann Sanktionen,
folgen scheinbar Emotionen,
sind die Ausreden parat
in schier endlosen Versionen.


Und mit allerlei Aktionen
übergehen sie Personen,
die dem Zwecke dienlich sind.
Leben muss sich schließlich lohnen.


Und so scheinen Subventionen
über allem Fleiß zu thronen,
ist der Anstand nur Relikt
längst ergrauter Konventionen.


© Nicole Schönfeld 2024


Der Eremit

 

Ein Eremit durchstreift den Wald.
Laternenlicht erhellt der Pfad.
Es fröstelt ihn so bitterkalt
auf diesem Weg, den er betrat.


So lang lebt er in Einsamkeit.
Alleinsein hat er kultiviert,
als dort am Horizont, nicht weit,
ein Leuchten ihn hell anvisiert.


Das Leuchten arglos, lebensfroh,
es hüllt ihn ganz und gar in Licht.
Es glimmt und lodert lichterloh,
als es im Schwinden wieder bricht.


Der Einsame beschließt empört,
dem Leuchten hinterherzueilen.
Es hat ihm jedoch nie gehört,
es darf nur im Moment verweilen.


So sucht in Zeit und Ewigkeit
der Eremit, doch findet nicht
die leuchtende Glückseligkeit,
ihm bleibt nur sein Laternenlicht.


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 6. September 2024

Das Beste

 

Mit dir schien jeder Himmel nah
und alle Trübnis deutlich, klar.
Dein Wort hat mich so tief bewegt,
hab es gehegt, hab es gepflegt
in mir, wo es ganz sicher war.


Unendlich schön schien jeder Tag,
an dem dein Auge auf mir lag,
mein Herz mit bloßem Blick verführte
und alle Hoffnung in mir schürte,
dass es niemals enden mag.


Betört, von aller Zeit entrückt,
vom Bann der Perfektion verzückt,
da sah ich nicht, was wirklich ist,
dass Perfektion das Echte frisst
und alles Wahre unterdrückt.


Da hab ich mich zutiefst geschämt,
unwert gefühlt und auch gegrämt.
Nicht gut genug für deine Welt,
hab ich mein Leuchten ausgestellt,
vom Druck der Perfektion gelähmt.


So war dein Auge letztlich blind
für das, was jedes Herz gewinnt,
so es sich von den Masken trennt
und aufrichtig in sich erkennt,
dass Fehler stets das Beste sind.


© Nicole Schönfeld 2024


Sonntag, 1. September 2024

Herzgestein

 

Seit Anbeginn der Zeit ersehnt
im Unglück der Erfahrung,
ein Herz auf Suche, ausgedehnt,
nach sättigender Nahrung.


Da findet es, gar fast verwaist,
ein anderes, goldenes Herz,
um das sich alle Freude kreist,
vergessen ist der Schmerz.


Im Takte ihrer Zweisamkeit,
entzückt von allem Glück,
ist eines nicht zum Glück bereit
und kehrt zum Schmerz zurück.


Es war einmal ein Herz so rein,
so liebend und so stark.
Nun ziert ein rotes Herzgestein
den Platz, wo es einst lag.


© Nicole Schönfeld 2024


Sonntag, 18. August 2024

Jugend

 

Kiefernwälder, Tannenduft,
glitzernd lag der See vor mir.
Freiheit flutete die Luft,
heute noch träum’ ich von dir.


Mondscheinnächte, weiter Strand,
auf dem wir der Zeit enteilten.
Dort im warmen Sommersand,
wo wir unsere Träume teilten.


Alte Lieder in den Ohren,
längst nur noch Melancholie,
so hab ich mich ganz verloren.
Wünschte mir, es endet nie.


Doch heut in Wehen windet sich,
dein Bild gealtert Jahr um Jahr,
entschwindest mir, entbindest mich
von dem, was meine Jugend war.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: Don Henley - The Boys of Summer


Freitag, 26. Juli 2024

Klimpernde Wimpern


Ein Klimpern mit den Wimpern,
ein putzig, süßer Blick
und wie die Wimpern klimpern,
durchschaut niemand den Trick.
Geschmiedet längst der Plan,
zu mühevoll die Last.
Ein wahrlich sterbend Schwan,
der Fleiß ist nur zu Gast. 


Denn niemand leidet mehr
als dieses arme Weib.
Und nichts martert so sehr,
wie dieser junge Leib.
Die Arbeit viel zu schwer,
der Tag ihr viel zu lang.
Der Chef ist niemals fair
und immer ist ihr bang.


In lieblich Zungen spricht
sie zu ihren Kollegen,
wie sehr die Pein sie sticht,
sie kann sich kaum bewegen.
Drum bleibt kollateral,
was ihretwegen leidet.
Die einzig wahre Qual
ist die, die sie vermeidet.


Nun geht sie ihre Wege,
ich hoffe auf ihr Glück.
Doch wünsch' ich als Kollege
sie niemals mir zurück.
Die gelben Scheine fliegen
am Irgendwo vorbei
und wo sie fortan liegen,
bleibt mir ganz einerlei.


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 19. Juli 2024

Gott


Gnädiger als jede Macht.
Lieblich, wie der hellste Klang.
Leiser als die Nachtandacht,
ewig Ende und Anfang.


Offener als jedes Tor,
wärmer als der Sonnenstern.
Hörender als jedes Ohr,
mir so nah und mir so fern.


Tapferer als jeder Held,
reißender als jeder Strom.
Nährender als jede Welt,
unsichtbar wie ein Phantom.


Tröstlicher als jedes Wort,
härter noch als jeder Stein,
zeigt er sich an jedem Ort
und hört niemals auf zu sein.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: The Source ft Candi Staton - You've Got the Love