Dienstag, 8. Oktober 2024

Der Panzer

 

Morgens nach dem ersten Tee
leg’ ich meinen Panzer an.
Wo ich weile, wo ich geh’,
wo ich sitze, wo ich steh’,
lässt er nichts an mich heran.


Dicht umhüllt er meine Haut,
abgeschottet von der Welt,
drängend, jederzeit zu laut,
in ihm alles angestaut,
bis er abends von mir fällt.


Schutzlos später in der Nacht,
jede Angst der nächsten gleicht,
alle Wut sich nun entfacht,
niemand hier, der mich bewacht,
bis die Nacht dem Morgen weicht.


Dann trink’ ich meine Tasse leer
und zwänge wieder mich hinein.
Ist er mir auch lastenschwer,
will ich dennoch niemals mehr
ohne meinen Panzer sein.


© Nicole Schönfeld 2024