Freitag, 22. Dezember 2023

Erkundete Wege


Ich war nie gebrochen,
was immer ihr denkt.
Hab mir nur die Knochen
im Leichtsinn verrenkt.


Und all die Blessuren,
die ich täglich pflege,
sind nichts als die Spuren
erkundeter Wege.


Doch ließ mein Erkunden
mir stets eine Wahl.
So sind meine Wunden
mir auch keine Qual.


Die Schmerzen des Lebens,
wenn wir sie denn tragen,
sind niemals vergebens,
solang wir uns wagen.



© Nicole Schönfeld 2023


Freitag, 15. Dezember 2023

Der Tanz


Dort auf dem Parkett
in schönstem Kleid
steht sie ganz adrett
zum Tanze bereit.

 

Schon tritt er hervor,
nur ein kleines Stück.
Hebt sie hoch empor
und schreitet zurück.

 

Sie dreht sich herum,
verliert ihren Halt.
Blickt hastig sich um,
sucht seine Gestalt.

 

Mit schnellen Schritten,
die er bald bereut,
wird er sie nun bitten
zum Tanze erneut.

    

Und auf ihren Wegen,
da tänzeln die beiden
der Hoffnung entgegen,
im Tanz nicht zu leiden.

 

Ja, so tanzen die zwei
noch als alte Greise
dicht am andern vorbei
in endlosem Kreise. 




© Nicole Schönfeld 2023

Donnerstag, 7. Dezember 2023

Der Schein

 

Da bist du ja wieder,
kenn dich nur zu gut.
Schon ringst du mich nieder
und raubst mir den Mut.


Lang hast du geschlafen,
doch warst niemals weg.
Kommst um mich zu strafen
- Dein einziger Zweck.


Mit dir bin ich einsam
in dunkelsten Tiefen,
durch die wir gemeinsam
schon so häufig liefen.


Mein Weg sieht es vor,
nicht traurig zu sein,
so ich mir einst schwor,
ich wahre den Schein.


Drum schütt’ ich dich zu
mit all meinen Decken
und komm dort zur Ruh,
um dich zu verstecken.


Dann werde ich lachen,
um nur nicht zu weinen.
Dich stets gut bewachen
und glücklich erscheinen. 


© Nicole Schönfeld 2023

Inspiriert von: Lou Reed - Perfect Day

Mittwoch, 6. Dezember 2023

Liebe

 

Umhüllt von Liebe, inniglich.
Wie ginge es auch ohne?
Ganz tief in ihr vergehe ich,
bis ich fast in ihr wohne.


Ich wate in ihr, sinke ein
und sie liebt mich zurück.
Das Größte ist, in ihr zu sein.
Oh schönstes Himmelsglück.


In ihr bin ich nun ganz zu Haus,
dort öffnet sich ein Spalt.
Aus ihm fließt alle Liebe aus,
so ist die Liebe halt.


Begleiter ist sie nur auf Zeit,
so lässt sie mich allein.
Die ewige Vollkommenheit
wird sie stets für mich sein. 


© Nicole Schönfeld 2023


Freitag, 24. November 2023

Der Weisheit erster Tag


Könnt’ ich nur von vorn beginnen,
mich eines Besseren besinnen.
Die Zeit nochmal auf Anfang stellen,
Entscheidungen ganz anders fällen.


So Vieles täte ich viel weiser
und spräche einiges viel leiser.
Und manches hätt’ ich laut gesagt,
ich hätt’ so Vieles mehr gewagt.


Ich wünschte ich hätt’ den verbannt,
der niemals meinen Wert erkannt
und jeden, der mich je verletzt,
und jeden, der mich nie geschätzt.


So viele Menschen meinten’s gut.
Sie halfen auf und schenkten Mut.
Ach hätt’ ich sie nie ausgeschlossen,
so viele Tränen nie vergossen.


Doch wenn ich ehrlich zu mir bin,
wo bliebe nach alldem der Sinn?
Ein Leben ohne „hätte“, „würde“
vielleicht die allergrößte Bürde.


Ich möchte lieber nichts bereuen,
noch jemals diese Wahrheit scheuen,
aus all der Not wuchs das heran,
was ohne Not nicht wachsen kann.


Und dort, wo das Bedauern endet,
dort wo man sich dem Sinn zuwendet
und wo wir trotzdem dankbar sind,
der Weisheit erster Tag beginnt. 


© Nicole Schönfeld 2023


Samstag, 18. November 2023

Ein letztes Lächeln

 

Du hast stets einfach so gemacht,
nicht alles hundertfach durchdacht.
Warst jederzeit voll Energie,
ein „geht nicht“ gab es bei dir nie.


Das Leben hast du angepackt.
Bist nie im Selbstmitleid versackt.
Dein Tempo immer etwas schneller,
der Tag durch dich gleich so viel heller.


Es gab noch so vieles zu sehen.
Es war noch nicht die Zeit zu gehen.
Warst noch so jung und voller Leben,
nichts zu bereuen und zu vergeben.


Ich habe dich so sehr bewundert.
Ich dachte immer, du wirst hundert
und wirst dann noch als alte Frau
all das tun, was ich mich nie trau'.


Ich sag dir jetzt, wie ich es seh',
es klingt vielleicht wie ein Klischee.
Du bist noch hier und bist doch fort
im gleichen Raum, ein and'rer Ort.


Ich weiß, dass es so richtig ist,
und dass es dir dort, wo du bist
nun besser geht - bist nun vereint
mit ihr - du hast so lang geweint.


Ein letztes Mal die Augen schließen.
Den letzten Klang im Ohr genießen.
Ein Lächeln zierte dein Gesicht
auf deinem letzten Weg ins Licht.


Marlen - Für immer in unseren Herzen!

© Nicole Schönfeld 2023


Freitag, 17. November 2023

Mit Leib und Seele

 

Im Büro brennt früh schon Licht.
Das Amt, das wartet nun mal nicht.
Der zehnte Tag steht wieder an,
und bald schon tippt ein Jedermann
sich eifrig seine Finger wund
und sitzt noch da zu später Stund.


Es hallen Sätze durch den Raum.
Mehr Fetzen, man versteht sie kaum.
„Ohne Beleg kann ich nicht buchen.“
„Ich muss die Differenz noch suchen.“
„Buch dies auf durchlaufende Posten,
die Abrechnung auf Nebenkosten.“


„Ruf schnell noch den Mandanten an,
ob er uns noch was schicken kann.“
Er kann es nicht, drum tut's uns leid,
er hatte schließlich reichlich Zeit.
„Dann buchen wir nun ohne Steuer
und diesen Monat wird es teuer.“


„Wie schreibe ich das Fahrzeug ab?“
Die Lider sinken schon herab.
Doch weiter geht's mit müdem Blick.
Hier noch kopieren, dort noch ein Klick.
Auf Tippstreifen wird aufsummiert,
ein letztes Mal noch kontrolliert.


Und morgen zieht der Zyklus dann
mich wieder ganz in seinen Bann.
Ich werde zetern, werde fluchen,
weiter tippen und weitersuchen.
Dies ist es, was ich täglich wähle,
bin Buchhalter mit Leib und Seele.


© Nicole Schönfeld 2023


Sonntag, 12. November 2023

Sinn des Alltags - Des Kummers Lehren


Ich glaube, ein jeder von uns kennt dieses furchtbare Gefühl. Du wachst morgens auf, noch betört von deinem schönen Traum und innerhalb weniger Sekunden schlägt dir die Realität wie eine Hand aus Stahl direkt in dein Gesicht. Auf kurze Orientierung folgen Fragen wie: „Ist das wirklich passiert?“ oder „Habe ich das wirklich getan?“ Der Schmerz kehrt zurück. Irgendetwas hat dein Leben aus der Bahn geworfen. Eine Trennung, eine Kündigung, eine schwere Diagnose, der Tod eines geliebten Menschen, ja vielleicht sogar irgendetwas, von dem du dich selbst losgesagt hast und jetzt neuen Halt finden musst. Du klaubst dich aus dem Bett und bist sofort mittendrin in diesem Wust aus Schmerz, Dunkelheit und Trauer. Und du kannst nicht glauben, dass dir das schon wieder passiert. Du kennst dieses Gefühl, du weißt auch, dass du es schon einmal überstanden hast. Und dennoch scheint sich alles in dir zu sträuben, da noch einmal durchzumüssen. Es gibt kaum Worte, die deinen Schmerz in diesen Momenten zu lindern vermögen. Ich kenne das. Und doch waren es immer tröstliche Worte, nach denen ich Ausschau hielt. Wann immer ich mit irgendwem über meinen Kummer sprach, hoffte ich insgeheim auf diesen einen Satz, der mir helfen würde, meine Sichtweise wenigstens für einige Minuten zu verändern. Minuten, die in solchen Zeiten eine Welt bedeuten können. Minuten, die uns Kraft schenken könnten, noch einen Tag durchzuhalten. Ich wünsche mir, dass die folgenden Worte das für dich tun. 


Ein klischeehafter Vergleich - Der Muskelkater

Sicherlich kennst du den Schmerz eines Muskelkaters, oder? Man hat trainiert, hat sich was zugetraut, man ist an seine Grenzen gegangen. Und nun hat man den Salat. Stimmt’s? Nun, wenn ich Muskelkater habe, dann stört er mich kaum, weil ich weiß…

 ..woher er kommt und,

 ..dass er wieder geht und,

 ..dass dieser Schmerz mich langfristig stärker macht!

Hast du dir schon einmal überlegt, dass Lebenskrisen nichts anderes sind? Egal aus welchem Grund du dich grade fühlst, wie du dich fühlst, solltest du dir die folgenden Fragen stellen: 

Woher kommt mein Schmerz?

Wenn du ehrlich zu dir bist, folgt jetzt die Erkenntnis, dass dein Schmerz daherkommt, dass du etwas gewagt hast in diesem Leben. Du hast dich vielleicht getraut, tief und innig zu lieben. Vielleicht hast du von dir aus einen großen Schritt gewagt und bist erschrocken über deine eigene Courage. In jedem dieser Fälle hast du vor allem eines getan. Du hast gelebt!

Weiß ich, dass dieser Schmerz wieder geht?

Nun, wenn du ganz ehrlich zu dir bist, musst du diese Frage mit einem klaren JA beantworten. Und in diesem einen Punkt gebe ich dir sogar ein Versprechen. JA, der Schmerz wird wieder gehen. Er wird selbst dann gehen, wenn du gar nicht wolltest, dass er geht. „Die Zeit heilt alle Wunden“ heißt es und so abgedroschen dieser Spruch auch klingen mag, die Wahrheit dahinter lässt sich nicht leugnen. Anfangs sind es vielleicht nur ein paar Sekunden am Tag, in denen du wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen glaubst. Für einen sehr kurzen Moment kommt da vielleicht sogar ein kurzes inneres Vorfreuen auf. Du spürst und weißt in diesem Moment, dass da noch so viel vor dir liegt, das du jetzt noch nicht sehen kannst. Zu Beginn wird die Trauer und der Kummer überhandnehmen. Immer wieder wirst du für lange Zeit in den Schmerz zurückfallen, doch beruhige dich mit dem Gedanken, dass es hier nur darum geht, durchzuhalten. Die schlechten Phasen werden abnehmen, die guten Phasen werden sich ausdehnen. Morgen fühlst du diese Vorfreude dann schon ganze zwei Minuten und in einigen Wochen wirst du vielleicht schon einige Stunden am Tag in der Lage dazu sein, dich gut zu fühlen. JA, der Schmerz wird vergehen!

Wird mich diese Krise stärker machen?

Ich weiß genau, was du jetzt denkst. Du fühlst dich wie ein verwundeter Soldat inmitten eines Schlachtfeldes und auf deine Frage, wofür das alles gut ist, antwortet der Befehlshaber: „Wenn du das geschafft hast, bekommst du einen Bonbon, Geschmack darfst du dir aussuchen.“ Niemand bei Verstand würde sich gerne verwunden lassen auf feindlichem Terrain, nicht wissend, ob man überlebt mit der Aussicht auf einen Bonbon mit Himbeergeschmack. Meist fühlen sich Krisen zu Beginn genauso an. Die Krise nimmt eine überdimensionale Größe an und der Sinn dahinter scheint uns so nichtssagend, dass wir dankend ablehnen wollen. Aber glaube mir, du wirst den Sinn hinter deiner Krise irgendwann doch sehen und es wird mehr als nur ein Bonbon sein. In diesem Moment deines Lebens magst du glauben, dass das ohnehin keine Rolle spielt. Du willst dich nur endlich wieder besser fühlen. Aber vertraue mir, aus Schmerz erwächst Erkenntnis. Die Erkenntnis, dass man ohne den Schmerz nicht wüsste, wie wichtig es ist, die kleinen Momente im Leben ausreichend zu schätzen. Die Erkenntnis, dass man selbst irgendwann vielleicht eine gelassenere Sicht auf das Leben haben wird. Die Erkenntnis, dass all das passieren musste, weil etwas viel passenderes auf dem Weg zu uns war. Die Erkenntnis, dass man viel stärker geworden ist und Dinge, die uns gestern noch Angst machten, uns heute nur noch ein müdes Lächeln abringen und das eine kann ich dir sagen. Je weniger Angst du hast, desto freier und offener wirst du dem Leben entgegentreten.  Und dann gibt es da noch diese Erkenntnis, dass das Leben nun mal Veränderung ist und das ohnehin jeder da durchmuss…

Freitag, 10. November 2023

Gottes Urteil

 

Ich weiß, was ihr da oben tut!
Doch statt der Angst, die ihr so sehnt
erwächst in mir ein großer Mut,
der all das, was ihr seid, ablehnt!


Gespalten ist all euer Sein,
gelogen jedes einzeln Wort
und sagt uns, jeder Mensch sei klein,
und macht die Welt zum Schandtatort!


Die Schande, das seid einzig ihr,
das menschlich Gute euch so fern!
Erfüllt seid ihr von Hass und Gier!
Verdorben seid ihr schon im Kern!


Geschichte schreibt ihr täglich um,
die Lüge euer täglich Brot!
Ich schweige nicht, ich bleib nicht stumm!
Eure Seelen sind längst tot!


Ihr wisst genau, wer uns erschuf,
die Angst treibt euch voran.
Denn immer lauter tönt sein Ruf,
in jedes Herz, in Jedermann.


Ich sag es euch, ihr scheut es noch,
das Gute wird obsiegen!
Bleibt ihr nur dort in eurem Loch,
in das ihr abgestiegen.


So lasst uns stets in Wahrheit weilen,
lasst uns friedlich alles schlichten!
Gottes Urteil wird sie ereilen!
Gott sieht alles und wird richten!


© Nicole Schönfeld 2023


Ein schmaler Grat

 

Es ist ein schmaler Grat
auf dem wir täglich wandeln.
Gefährlich dünn der Pfad,
ein stetig neu Aushandeln.


Der nächste Schritt könnt' schon
der letzte für uns sein!
Des Lebens eisern Hohn
- er sichert uns im Schein!


Geschmiedet längst der Plan
für alle künftig Zeit.
Hauchdünn nur die Membran,
ein schattenhaft Geleit.


Drum lasst uns frohen Mutes
dem Schicksal uns ergeben!
Stets dankbar sein für Gutes,
das beste Leben leben!

© Nicole Schönfeld 2023


Der Regen

 

Das ist mir der Regen
an düsteren Tagen,
Verständnis und Segen,
wenn Tränen versagen.

Das ist mir die Nacht
in lauten Zeiten.
So stille Andacht,
so endlose Weiten.

Das ist mir der Wind
wenn alles stagniert,
mein inneres Kind
sich selbst nicht verliert.

So möge es regnen,
und möge es Wind sein
und lasset uns segnen
die Nacht und den Mondschein.

Lasst Tränen fließen,
lasst Stille walten,
die Augen uns schließen
und uns entfalten!


© Nicole Schönfeld 2023


Montag, 31. Juli 2023

Betäubter Schmerz


Du bist so still.
So rede doch,
so rede doch mit mir!
Gleich, was ich will,
es kommt nie an.
Es bleibt, es bleibt bei dir.


Siehst mich nicht an.
So sieh doch her,
so sieh mir ins Gesicht!
Du bist mein Mann
und warst es stets,
so oft mein Herz auch bricht.


Du drehst dich um.
Dreh dich zurück,
dreh dich zurück zu mir!
Und bleib nicht stumm!
Sag, was du fühlst!
Bleib! Oh, bleib doch hier!


Nicht noch einmal.
Oh, nicht schon wieder,
du darfst nicht wieder gehen!
Nicht meine Wahl,
ich werd’ das nicht
noch einmal überstehen.


Nun bist du fort.
Ich atme nicht
und schwebe über mir.
Kein Laut, kein Wort.
Betäubter Schmerz.
Mein Leben ging mit dir.


© Nicole Schönfeld 2023

Inspiriert von: Gunnar Madsen - Anna


Sonntag, 30. Juli 2023

Diese Kollegin - Königin im Businessgewand

Kennst du das? Du fängst irgendwo einen neuen Job an und im Grunde könnte das was werden? Man macht Abstriche, keine Frage. Das gehört dazu. Man hat sich eingearbeitet, hat längst nicht mehr jeden Morgen bei Arbeitsantritt das Gefühl, man müsse den Mount Everest erklimmen. Es geht vorwärts. Und kaum hat man sich eingelebt, kaum fühlt es sich gewohnt, ja vielleicht sogar etwas heimisch an, kommt da diese Kollegin um die Ecke. Vielleicht ist sie einem vorher nie aufgefallen, vielleicht wurde sie erst kürzlich eingestellt. Vielleicht hat sie auch schon zuvor eng mit einem zusammengearbeitet aber erst jetzt bemerkt man, dass sich irgendetwas verändert hat, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Zu Beginn ist es nur so ein Gefühl. Nach und nach bestätigt es sich. Diese Frau meint es nicht gut mit dir. Irgendetwas hast du an dir, das sie stört, das sie weghaben will - buchstäblich. Sie will dich weghaben!

Zweiter Akt

 

Die Zeit hab’ ich zurückgedreht
und weitere Jahre ziehen ins Land.
Ein Pakt, der ewig fortbesteht
und in der Uhr zerrinnt der Sand.


Ein Jahr, dann zwei, dann fünf vorbei
und fünf war deine große Zahl.
Doch Zeit kann lasten schwer wie Blei.
Du hast bestimmt, ich keine Wahl.


Dein Regelwerk, mein stetes Fügen.
Demütig mich mit nichts begnügen.
Wann lös’ ich mich von diesem Pakt?
Wann brech’ ich auf zum nächsten Akt?


Das erste Blatt im Herbst nun fällt,
ich schweb’ darauf im Wind dahin.
Und oben hoch am Himmelzelt,
da schwindet unser Sternbild Sinn.


Zu lang war ich nun taub und blind,
zu lang konnt’ ich nicht hören, sehen,
dass wir schon lang kein wir mehr sind.
Wohlan, ich darf und muss nun gehen.


Mein Regelwerk, kein Fügen mehr.
Für uns zu spät und zu lang her.
Ich breche nun mit diesem Pakt.
Dies ist mein Leben, zweiter Akt.



© Nicole Schönfeld 2023



Im Traum

 

Verfallen sind die Wände schier
in diesen Räumlichkeiten hier.
Sie sind ein Ausdruck all der Macht,
die traurig mir ins Antlitz lacht
und die ,seitdem du nicht mehr bist,
über all mein Dasein wacht.


Und Risse ziehen sich durchs Gemäuer
gleich einem wütend Ungeheuer.
Es frisst sich gleichsam durch mein Herz
und absorbiert von dort den Schmerz,
auf dass er sich im Raum verteile,
sich niederlegt in diesem Vers.


Und unter mir der Boden bebt
und über ihm mein Körper schwebt,
und worauf einst ich sicher lief,
ein Loch sich auftut, dunkel, tief,
das schmerzlich mich erinnern lässt,
wie oft ich fallend nach dir rief.


Dort unten in der Dunkelheit,
erschöpft, der vielen Tränen leid,
da lege ich mich schlafend nieder
und schließe friedlich meine Lider.
Und einzig ist mein letzter Trost,
im Traum, da sehe ich dich wieder.



© Nicole Schönfeld 2023

Licht und Schatten

 

"Verzeiht die Störung" spricht der Schatten.
"Ich soll euch einen Besuch abstatten,
doch seh ich nirgends hier ein Licht
und habe weit und breit kaum Sicht."


Der Schatten sieht verdutzt mich an,
weil er mich kaum erkennen kann.
Er muss doch seine Pflicht erfüllen
und mich von Kopf bis Fuß umhüllen.


Ich frage ihn, was er hier will.
In mir ist’s dunkel und längst still.
Hier gibt es nichts, das sich wird wehren.
Drum bitt’ ich ihn, nun umzukehren.


Der Schatten doch, er kann nicht fort,
er wurd’ gesandt an diesen Ort.
Die Dunkelheit soll er mir bringen

und alles Licht in mir bezwingen.


Ich frag erneut: "Aus welchem Grund?
In mir ist’s doch längst kalt und wund,
und längst ist da nichts Lichtes mehr,
in mir ist’s lang schon finster, leer."


Der Schatten grinst mir ins Gesicht.
Er weiß jetzt, wo es ist, mein Licht.
Es ist ganz sicher in mir drin,
das ist seines Besuches Sinn.


"Ihr Menschen sucht im Außen nur
mit weltlich Blick ganz starr und stur.
Das äußere Licht soll ich euch nehmen,
damit ihr lernt, das wahre Licht
liegt tief in euch und rührt sich nicht.


So ist das Licht euch stets ganz nah
dort in euch, wo es immer war."


Der Schatten kehrt nun wieder um,
ich blick ihm nach, erstaunt und stumm.
Und plötzlich strahlt aus mir heraus
ein Licht weit in die Welt hinaus.




© Nicole Schönfeld 2023


Freundschaft


Freundschaft hält uns stets vor Augen,
was wir tief im Herzen taugen.


Sie zeigt uns auf, was wirklich zählt
und was das Herz schlussendlich wählt.


Sich immer wieder neu zu wählen,
auch wenn mal dunkle Zeiten quälen,
einander stets zur Seite stehen,
sich dabei wirklich anzusehen.


All das, so hoff ich weiterhin,
bleibt ewig unserer Freundschaft Sinn.


© Nicole Schönfeld 2023

Die Kunst der Freundschaft

 

Ein lieber Mensch, ein sanftes Sein,
so bist du für uns.
Baust Treppen, Wege, Stein um Stein,
machst Freundschaft uns zur Kunst.


Wann immer einer von uns fällt,
was immer kommt ins Wanken,
wird „Deins“ weit hinten angestellt,
das Dunkle wieder aufgehellt,
dafür wollen wir danken.


Danke, dass du Fels uns bist,
niemanden von uns vergisst
und trotzdem noch so herzlich lachst
und damit alles schöner machst.


Wir lieben dich und sagen dir an diesem, deinem Tag,
dass alle Liebe, Gesundheit und Glück
in dein Leben kommen mag!


Und jeder Wunsch, den du auch hegst,
und was du tief im Herzen trägst,
es soll dir in Erfüllung gehen.
Auf dass dein liebes Wesen uns niemals wird vergehen,
und wir auch noch ganz lange fest beisammenstehen!


Für eine liebe Freundin

© Nicole Schönfeld 2023


Auftakt

 

Du fühlst dich abgestumpft,
im Alltagstrott versumpft.
Das Atmen noch erlaubt,
dein Sein dir längst geraubt.


Ein Bein vors andere setzen,
noch schnell zum Kunden hetzen.
Dein Blick nach vorn gerichtet,
das Seitwärts nicht mehr wichtig.


Und abends vorm Zubettgehen
ein Snack, noch etwas Fernsehen.
Dann Liegen und doch wach sein
im gellend weißen Mondschein.


Am Morgen dann dein Kissen
voll Tränen und dem Wissen,
dass in dir etwas schreit.
Du fühlst dich jetzt bereit.


Wofür, das weißt du nicht,
nur dass auf lange Sicht,
dein Seelenschiff zertrümmert
und all dein Sein verkümmert.


Da stehst du nun ganz frei,
der Stumpfsinn nun vorbei.
Die Sicherheit getauscht
in Angst, die dich berauscht.


Wohin wirst du nun gehen?
In welche Richtung sehen?
Den Blick seitwärts riskieren?
Dich in dir selbst verlieren?


Du weinst und lachst und schreist.
Du tanzt, du singst und weißt,
egal, wie tief du fällst,
du bist wieder du selbst.


© Nicole Schönfeld 2023

Inspiriert von: Gary Go - The Beginning


Der Himmel


"Was nur tun?", fragt sie sich,
dem Himmel zugewandt.
"Find' nächtelang schon keine Ruh,
oh lieber Himmel, lass nicht zu,
dass all mein Sein verkannt.


Oh, lieber Himmel, tu doch was,
ich habe mich verrannt."


"Wo mit mir hin?", grübelt er,
den Himmel ruft er an.
"Die Zeit, sie eilt so schnell dahin,
ich such so sehr nach einem Sinn,
der mich erfüllen kann.


Oh Himmel, bitte sag mir doch,
wenn nicht jetzt, wann dann?"


Die Zeit, sie rennt tagein, tagaus.
Sie bettelt und er fleht.
Ein Zeichen braucht’s, ein Flüstern nur,
der Himmel jedoch sträubt sich stur
und Tag um Tag vergeht.


Er ist verzweifelt, sie betrübt,
vielleicht ist es zu spät.


Und eines nachts ganz unverhofft,
da zieht ein Sturm heran.
Der Himmel finster, aufgewühlt,
schon bald die Straßen weggespült,
kämpft jede Frau und jeder Mann


ums blanke Überleben nur,
auf das man sich besann.


Ein letzter Blitz, ein sanftes Beben,
vorüber ist der Sturm.
Durch dichte Wolken drängen sich
nun Sonnenstrahlen königlich.
Dem Himmel sei vergeben.


Er atmet auf, sie lächelt still.
"Oh Glück, wir sind am Leben."



© Nicole Schönfeld 2023