"Verzeiht
die Störung" spricht der Schatten.
"Ich soll
euch einen Besuch abstatten,
doch seh ich
nirgends hier ein Licht
und habe
weit und breit kaum Sicht."
Der Schatten
sieht verdutzt mich an,
weil er
mich kaum erkennen kann.
Er muss
doch seine Pflicht erfüllen
und mich
von Kopf bis Fuß umhüllen.
Ich frage
ihn, was er hier will.
In mir
ist’s dunkel und längst still.
Hier gibt
es nichts, das sich wird wehren.
Drum bitt’ ich ihn, nun umzukehren.
Der
Schatten doch, er kann nicht fort,
er wurd’ gesandt an diesen Ort.
Die
Dunkelheit soll er mir bringen
und alles Licht in mir bezwingen.
Ich frag erneut: "Aus welchem Grund?
In mir
ist’s doch längst kalt und wund,
und längst
ist da nichts Lichtes mehr,
in mir
ist’s lang schon finster, leer."
Der
Schatten grinst mir ins Gesicht.
Er weiß
jetzt, wo es ist, mein Licht.
Es ist
ganz sicher in mir drin,
das ist
seines Besuches Sinn.
"Ihr
Menschen sucht im Außen nur
mit
weltlich Blick ganz starr und stur.
Das äußere
Licht soll ich euch nehmen,
damit ihr
lernt, das wahre Licht
liegt tief
in euch und rührt sich nicht.
So ist das
Licht euch stets ganz nah
dort in
euch, wo es immer war."
Der
Schatten kehrt nun wieder um,
ich blick
ihm nach, erstaunt und stumm.
Und
plötzlich strahlt aus mir heraus
ein Licht
weit in die Welt hinaus.
© Nicole Schönfeld 2023