Montag, 31. Juli 2023

Betäubter Schmerz


Du bist so still.
So rede doch,
so rede doch mit mir!
Gleich, was ich will,
es kommt nie an.
Es bleibt, es bleibt bei dir.


Siehst mich nicht an.
So sieh doch her,
so sieh mir ins Gesicht!
Du bist mein Mann
und warst es stets,
so oft mein Herz auch bricht.


Du drehst dich um.
Dreh dich zurück,
dreh dich zurück zu mir!
Und bleib nicht stumm!
Sag, was du fühlst!
Bleib! Oh, bleib doch hier!


Nicht noch einmal.
Oh, nicht schon wieder,
du darfst nicht wieder gehen!
Nicht meine Wahl,
ich werd’ das nicht
noch einmal überstehen.


Nun bist du fort.
Ich atme nicht
und schwebe über mir.
Kein Laut, kein Wort.
Betäubter Schmerz.
Mein Leben ging mit dir.


© Nicole Schönfeld 2023

Inspiriert von: Gunnar Madsen - Anna


Sonntag, 30. Juli 2023

Diese Kollegin - Königin im Businessgewand

Kennst du das? Du fängst irgendwo einen neuen Job an und im Grunde könnte das was werden? Man macht Abstriche, keine Frage. Das gehört dazu. Man hat sich eingearbeitet, hat längst nicht mehr jeden Morgen bei Arbeitsantritt das Gefühl, man müsse den Mount Everest erklimmen. Es geht vorwärts. Und kaum hat man sich eingelebt, kaum fühlt es sich gewohnt, ja vielleicht sogar etwas heimisch an, kommt da diese Kollegin um die Ecke. Vielleicht ist sie einem vorher nie aufgefallen, vielleicht wurde sie erst kürzlich eingestellt. Vielleicht hat sie auch schon zuvor eng mit einem zusammengearbeitet aber erst jetzt bemerkt man, dass sich irgendetwas verändert hat, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Zu Beginn ist es nur so ein Gefühl. Nach und nach bestätigt es sich. Diese Frau meint es nicht gut mit dir. Irgendetwas hast du an dir, das sie stört, das sie weghaben will - buchstäblich. Sie will dich weghaben!

Zweiter Akt

 

Die Zeit hab’ ich zurückgedreht
und weitere Jahre ziehen ins Land.
Ein Pakt, der ewig fortbesteht
und in der Uhr zerrinnt der Sand.


Ein Jahr, dann zwei, dann fünf vorbei
und fünf war deine große Zahl.
Doch Zeit kann lasten schwer wie Blei.
Du hast bestimmt, ich keine Wahl.


Dein Regelwerk, mein stetes Fügen.
Demütig mich mit nichts begnügen.
Wann lös’ ich mich von diesem Pakt?
Wann brech’ ich auf zum nächsten Akt?


Das erste Blatt im Herbst nun fällt,
ich schweb’ darauf im Wind dahin.
Und oben hoch am Himmelzelt,
da schwindet unser Sternbild Sinn.


Zu lang war ich nun taub und blind,
zu lang konnt’ ich nicht hören, sehen,
dass wir schon lang kein wir mehr sind.
Wohlan, ich darf und muss nun gehen.


Mein Regelwerk, kein Fügen mehr.
Für uns zu spät und zu lang her.
Ich breche nun mit diesem Pakt.
Dies ist mein Leben, zweiter Akt.



© Nicole Schönfeld 2023



Im Traum

 

Verfallen sind die Wände schier
in diesen Räumlichkeiten hier.
Sie sind ein Ausdruck all der Macht,
die traurig mir ins Antlitz lacht
und die ,seitdem du nicht mehr bist,
über all mein Dasein wacht.


Und Risse ziehen sich durchs Gemäuer
gleich einem wütend Ungeheuer.
Es frisst sich gleichsam durch mein Herz
und absorbiert von dort den Schmerz,
auf dass er sich im Raum verteile,
sich niederlegt in diesem Vers.


Und unter mir der Boden bebt
und über ihm mein Körper schwebt,
und worauf einst ich sicher lief,
ein Loch sich auftut, dunkel, tief,
das schmerzlich mich erinnern lässt,
wie oft ich fallend nach dir rief.


Dort unten in der Dunkelheit,
erschöpft, der vielen Tränen leid,
da lege ich mich schlafend nieder
und schließe friedlich meine Lider.
Und einzig ist mein letzter Trost,
im Traum, da sehe ich dich wieder.



© Nicole Schönfeld 2023

Licht und Schatten

 

"Verzeiht die Störung" spricht der Schatten.
"Ich soll euch einen Besuch abstatten,
doch seh ich nirgends hier ein Licht
und habe weit und breit kaum Sicht."


Der Schatten sieht verdutzt mich an,
weil er mich kaum erkennen kann.
Er muss doch seine Pflicht erfüllen
und mich von Kopf bis Fuß umhüllen.


Ich frage ihn, was er hier will.
In mir ist’s dunkel und längst still.
Hier gibt es nichts, das sich wird wehren.
Drum bitt’ ich ihn, nun umzukehren.


Der Schatten doch, er kann nicht fort,
er wurd’ gesandt an diesen Ort.
Die Dunkelheit soll er mir bringen

und alles Licht in mir bezwingen.


Ich frag erneut: "Aus welchem Grund?
In mir ist’s doch längst kalt und wund,
und längst ist da nichts Lichtes mehr,
in mir ist’s lang schon finster, leer."


Der Schatten grinst mir ins Gesicht.
Er weiß jetzt, wo es ist, mein Licht.
Es ist ganz sicher in mir drin,
das ist seines Besuches Sinn.


"Ihr Menschen sucht im Außen nur
mit weltlich Blick ganz starr und stur.
Das äußere Licht soll ich euch nehmen,
damit ihr lernt, das wahre Licht
liegt tief in euch und rührt sich nicht.


So ist das Licht euch stets ganz nah
dort in euch, wo es immer war."


Der Schatten kehrt nun wieder um,
ich blick ihm nach, erstaunt und stumm.
Und plötzlich strahlt aus mir heraus
ein Licht weit in die Welt hinaus.




© Nicole Schönfeld 2023


Freundschaft


Freundschaft hält uns stets vor Augen,
was wir tief im Herzen taugen.


Sie zeigt uns auf, was wirklich zählt
und was das Herz schlussendlich wählt.


Sich immer wieder neu zu wählen,
auch wenn mal dunkle Zeiten quälen,
einander stets zur Seite stehen,
sich dabei wirklich anzusehen.


All das, so hoff ich weiterhin,
bleibt ewig unserer Freundschaft Sinn.


© Nicole Schönfeld 2023

Die Kunst der Freundschaft

 

Ein lieber Mensch, ein sanftes Sein,
so bist du für uns.
Baust Treppen, Wege, Stein um Stein,
machst Freundschaft uns zur Kunst.


Wann immer einer von uns fällt,
was immer kommt ins Wanken,
wird „Deins“ weit hinten angestellt,
das Dunkle wieder aufgehellt,
dafür wollen wir danken.


Danke, dass du Fels uns bist,
niemanden von uns vergisst
und trotzdem noch so herzlich lachst
und damit alles schöner machst.


Wir lieben dich und sagen dir an diesem, deinem Tag,
dass alle Liebe, Gesundheit und Glück
in dein Leben kommen mag!


Und jeder Wunsch, den du auch hegst,
und was du tief im Herzen trägst,
es soll dir in Erfüllung gehen.
Auf dass dein liebes Wesen uns niemals wird vergehen,
und wir auch noch ganz lange fest beisammenstehen!


Für eine liebe Freundin

© Nicole Schönfeld 2023


Auftakt

 

Du fühlst dich abgestumpft,
im Alltagstrott versumpft.
Das Atmen noch erlaubt,
dein Sein dir längst geraubt.


Ein Bein vors andere setzen,
noch schnell zum Kunden hetzen.
Dein Blick nach vorn gerichtet,
das Seitwärts nicht mehr wichtig.


Und abends vorm Zubettgehen
ein Snack, noch etwas Fernsehen.
Dann Liegen und doch wach sein
im gellend weißen Mondschein.


Am Morgen dann dein Kissen
voll Tränen und dem Wissen,
dass in dir etwas schreit.
Du fühlst dich jetzt bereit.


Wofür, das weißt du nicht,
nur dass auf lange Sicht,
dein Seelenschiff zertrümmert
und all dein Sein verkümmert.


Da stehst du nun ganz frei,
der Stumpfsinn nun vorbei.
Die Sicherheit getauscht
in Angst, die dich berauscht.


Wohin wirst du nun gehen?
In welche Richtung sehen?
Den Blick seitwärts riskieren?
Dich in dir selbst verlieren?


Du weinst und lachst und schreist.
Du tanzt, du singst und weißt,
egal, wie tief du fällst,
du bist wieder du selbst.


© Nicole Schönfeld 2023

Inspiriert von: Gary Go - The Beginning


Der Himmel


"Was nur tun?", fragt sie sich,
dem Himmel zugewandt.
"Find' nächtelang schon keine Ruh,
oh lieber Himmel, lass nicht zu,
dass all mein Sein verkannt.


Oh, lieber Himmel, tu doch was,
ich habe mich verrannt."


"Wo mit mir hin?", grübelt er,
den Himmel ruft er an.
"Die Zeit, sie eilt so schnell dahin,
ich such so sehr nach einem Sinn,
der mich erfüllen kann.


Oh Himmel, bitte sag mir doch,
wenn nicht jetzt, wann dann?"


Die Zeit, sie rennt tagein, tagaus.
Sie bettelt und er fleht.
Ein Zeichen braucht’s, ein Flüstern nur,
der Himmel jedoch sträubt sich stur
und Tag um Tag vergeht.


Er ist verzweifelt, sie betrübt,
vielleicht ist es zu spät.


Und eines nachts ganz unverhofft,
da zieht ein Sturm heran.
Der Himmel finster, aufgewühlt,
schon bald die Straßen weggespült,
kämpft jede Frau und jeder Mann


ums blanke Überleben nur,
auf das man sich besann.


Ein letzter Blitz, ein sanftes Beben,
vorüber ist der Sturm.
Durch dichte Wolken drängen sich
nun Sonnenstrahlen königlich.
Dem Himmel sei vergeben.


Er atmet auf, sie lächelt still.
"Oh Glück, wir sind am Leben."



© Nicole Schönfeld 2023


Samstag, 29. Juli 2023

Parasomnia

 

© Nicole Schönfeld 2023


Licht und Schatten


© Nicole Schönfeld 2023



Licht und Schatten


© Nicole Schönfeld 2023


Nichts mehr finden


Zwei Menschen, ganz allein mit sich
durchqueren Zeit und Raum.
Sie suchen sich, verzagen nicht,
bis eines Tages dann endlich
sich erfüllt ihr größter Traum.

 

Sie fand zu ihm und er zu ihr,
die Suche nun vorbei.
Aus du und ich wird jetzt ein wir.
Aus eins und eins wird zwei.

 

Drum soll das Band, das hier gewebt
auf ewig euch verbinden.
Auf dass ihr ewig Liebe lebt,
auf dass ihr stets auf Wolken schwebt.
Auf dass ihr euch nun sagen könnt:
"Wir müssen nichts mehr finden."


- Für meine Schwester

© Nicole Schönfeld 2023


Die großen Worte

 

Wo Liebe ist, da ist das Recht,
wo Liebe ist, ist alles echt.
Die Liebe bringt das Licht mit sich
und sie weilt in sich ewiglich.
Die Liebe hinterfragt sich nicht,
unendlich ruht sie tief in sich.
Die Liebe bleibt und geht nie fort,
verweilt uns stets am selben Ort.
Sie soll euch einen für alle Zeit,
soll euch Schlichter sein im Streit.

 

Sie soll euch immer Stärke schenken,
euch stets auf rechte Pfade lenken.

 

Sie möge über euch wachen,
kraftvoll, mutig und doch still
in jenem Moment, in dem ihr sagt
die großen Worte "Ja ich will".



© Nicole Schönfeld 2023

Freitag, 28. Juli 2023

München


München, du geliebte Stadt,
ich muss gehen, ich muss fort.
Niemals wurde ich von dir satt,
doch nun ruft mich ein neuer Ort.


Im Hofgarten der Welt enteilt,
flaniert dort am Marienplatz.
Hier, wo noch mein Herz verweilt,
liegt ein unvergessener Schatz.


Und nicht nur zum Oktoberfest,
sich’s bei dir immer feiern lässt.
So gut, wie nirgendwo weltweit
in Lederhose und Dirndlkleid.


Olympiadorf, fürs Spiel gebaut,
und mittendrin das OEZ.
Hier war’s nie leise, immer laut,
mein zweites Heim, nur ohne Bett.


Weiß leuchtet die Arena nun,
noch gestern rot und blau schon bald.
Nein, du brauchst nichts dafür tun,
in dir ist’s warm, nichts an dir kalt.


Du Glanz, du Hoheit, immer Mein,
gelebt in dir den Traum vom Sein.
Ich trag von dir ein großes Stück
stets nah bei mir, ich komm zurück!


© Nicole Schönfeld 2023

 

Sonntag, 16. Juli 2023

Gegensatz


Weltstadt, Gosse, zu viel Gefühl,
verdammt nochmal, was ist das nur?
Im Tiefgang, Hochflug, heiß und kühl,
so anders, gleich auf weiter Flur.


Vergebens ist die Suche hier,
wonach du suchst, das wird zur Sucht.
Und findest du, bleibt’s nicht bei dir.
All was du hältst, ergreift die Flucht.


Vergiss, was immer du geglaubt
und was du für gegeben hieltst.
In dieser Stadt dem Selbst beraubt,
ein neues Selbst wem anders stiehlst.


Es stinkt und duftet überall
nach Träumen, Angst, Ekstase pur.
Belangloses im Redeschwall,
Berlin, du bist so wankend stur.


Dein Gegensatz, dein Ja und Nein,
dein bitteres und süßes Sein,
dein hoher Puls, dein ständig Eilen,
dein niemals allzu lang Verweilen,
dein Gleichmut, so bewundernswert.
Bist richtig und doch so verkehrt.
Geliebt, gehasst und ganz bestimmt
ein Ort, der alles gibt und nimmt.


Nun geh ich und will eins noch sagen,
Berlin, in allen Lebenslagen
war ich niemals so sehr bei mir.
Hab Dank, ich bin gereift an dir.


© Nicole Schönfeld 2023

Inspiriert von: Paul Kalkbrenner - Train (Berlin Calling)