Sonntag, 27. Oktober 2024

Facetten

 

Sie tänzelt auf Geländern,
dreht sanfte Pirouetten.
Sie wird sich nicht verändern,
sie wechselt nur Facetten.


Sie passt nicht in Schablonen,
auch wenn’s die Welt empört
und stets wird sie betonen,
dass sie nur sich gehört.


Ihr hängt an euren Dingen,
sie hängt in ihren Seilen.
Sie möchte nichts erzwingen,
schon gar nicht sich beeilen.


In Wonnen will sie toben,
Essenzen ganz durchdringen.
Sie klettert ganz nach oben,
um tief hinabzuspringen.


In schwerelosen Wogen
erlaubt sie sich, zu schweben
und surft den Regenbogen
entlang, hinein ins Leben.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: Laid Back - Bakerman


Freitag, 25. Oktober 2024

Vergebung

 

Das Wort, das verletzt.
Die Gruppe, die hetzt.


Der Blick, der verpönt.
Der Hass, der verhöhnt.


Das Rudel, das frisst.
Das Ego, das misst.


Die Bürde, die kneift.
Die Stimme, die keift.


Das Opfer, das klagt.
Der Mensch, der versagt.


Die Heilung, die keimt.
Die Sprache, die reimt.


Das Wesen, das liebt.
Der Mut, der vergibt.


© Nicole Schönfeld 2024


Bilder

 

Dieses Bild dort an der Wand,
es erzählt eine Geschichte,
zeugt vom heilen Sippenband,
macht das Unheile zunichte.


Was sich rückseitig verbirgt,
mag so gerne sich verstecken,
hat im Anschein sich verwirkt
und darf diesen nicht beflecken.


Denn das, was zusammenhält,
wird von Tarnung überlichtet,
weil sonst auseinanderfällt,
was die heile Welt vernichtet.


Und so lügen die Geschichten
in den Bildern an den Wänden,
um die Bande zu verpflichten,
alle Wahrheit zu verblenden.


© Nicole Schönfeld 2024


Ideal

 

Siehst mich an,
doch siehst nicht hin.
Erträumst dir dann,
was ich nicht bin.


Du suchst in mir
dein Ideal.
Ich sag es dir
gleich noch einmal:


"Enttäusche dich
nicht allzu oft,
nur weil es sich
so leicht erhofft.


Ich werde nie
und will auch nicht
zu jener, die
dir voll entspricht.


Ließ diese Zeilen
und lass mich sein,
dann will ich weilen,
dann bin ich dein."


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 18. Oktober 2024

Scheitern

 

Fehlschläge im freien Fall und
Kräfte prallen unsanft auf,
verenden auf dem harten Grund
und gehen dort für immer drauf.


Denn was ich auch berühre,
es zerfällt mir in der Hand.
Es entflieht aus meiner Türe,
dann zerschellt es an der Wand.


Unverzagt kriech’ ich zurück
ins verheißungsvolle Haus,
doch in einem großen Stück
spuckt es mich dann wieder aus.


Die Erfolge auf der Strecke,
doch die Ausfahrt kenn’ ich nicht
und sobald ich sie entdecke,
ist sie auch schon wieder dicht.


Wo mich nun der Ehrgeiz ruft,
scheint der Weg mit Frust vermint.
Hab mich längst herabgestuft,
den Erfolg wohl nicht verdient.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: Kenny Rogers - The Gambler


Projektion

 

Was der Hass in dir geschaffen,
werden Kriege niemals lösen.
Darum senke deine Waffen,
nicht die anderen sind die Bösen.


Sieh, der Hass ist nur in dir,
keimt in dir und wächst heran.
Doch dann suchst du ihn in mir,
wo er sich entladen kann.


Dann zerstörst du meine Welt.
Doch der Hass, er bleibt hinfort.
Stehst entmutigt auf dem Feld
und besinnst dich auf mein Wort.


Das, was wir dem andern fügen,
tun wir unserer Seele an.
Lass dich nicht vom Hass belügen,
weil mit ihm der Krieg begann.


© Nicole Schönfeld 2024


Sonntag, 13. Oktober 2024

Perspektiven

 

Eingezäunt in Stacheldraht,
Kugelhagel, Handgranaten,
schon das dritte Attentat
in der Nähe, Angst auf Raten.
Zukunft scheint nur optional.
Puls am Limit, bittere Not,
Lebenswünsche ganz trivial,
immerzu vom Tod bedroht.
 
Heute hab ich mich beklagt,
weil das Internet ausfiel,
auch mein Wecker hat versagt.
Alles war mir heut zu viel.
Stressig war der Arbeitstag,
viel zu stockend der Verkehr.
Das ist mehr als ich ertrag’.
Dieses Leben ist so schwer.


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 11. Oktober 2024

Gewissheit

 

Im Traume jener Kindheitstage
liegt ein Zauber unbedarft,
der sich hütet vor der Frage,
welche ihn als Traum entlarvt.


Ohne gestern, ohne Morgen,
unschuldig im Kinderbett,
geistert er ganz ohne Sorgen
übers arglose Parkett.


Tönend summt das Wiegenlied,
unverbrauchte Lobeslieder,
bis der Zauber uns entflieht
in die altersschwachen Glieder.


Dort, wo uns Gewissheit jagt,
scheint die Frage plötzlich nah.
Flüsternd spricht sie ungefragt:
"Sind wir morgen auch noch da?"


© Nicole Schönfeld 2024


Mittwoch, 9. Oktober 2024

Ich allein

 

Hoffnungslos in mir gefangen,
alte Muster sträuben sich.
Selbstliebe wird übergangen
hier im altbekannten Ich.


Darin haust es sich bequem.
Ich allein bin das Problem.


Trotzend gern mit mir allein,
irreführendes Signal,
will ich dennoch mit euch sein,
doch entfliehe jedes Mal.


Schuldbeladen und extrem,
ich allein bin das Problem.


Zeige mich nicht in der Not,
weine hinter jener Tür.
Misstrauen mein Hauptgebot,
eingenistet tief in mir.


Eingeübt ist mein System.
Ich allein bin das Problem.


Bin ich wütend auf die Welt,
wüte ich nur gegen mich.
Rüstend bin ich aufgestellt,
kämpfe unerschütterlich.


Ist es mir auch nicht genehm.
Ich allein bin das Problem.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: Taylor Swift - Anti-Hero


Dienstag, 8. Oktober 2024

Der Panzer

 

Morgens nach dem ersten Tee
leg’ ich meinen Panzer an.
Wo ich weile, wo ich geh’,
wo ich sitze, wo ich steh’,
lässt er nichts an mich heran.


Dicht umhüllt er meine Haut,
abgeschottet von der Welt,
drängend, jederzeit zu laut,
in ihm alles angestaut,
bis er abends von mir fällt.


Schutzlos später in der Nacht,
jede Angst der nächsten gleicht,
alle Wut sich nun entfacht,
niemand hier, der mich bewacht,
bis die Nacht dem Morgen weicht.


Dann trink’ ich meine Tasse leer
und zwänge wieder mich hinein.
Ist er mir auch lastenschwer,
will ich dennoch niemals mehr
ohne meinen Panzer sein.


© Nicole Schönfeld 2024


Sonntag, 6. Oktober 2024

Scheinheilig

 

Hoch oben am Kopfe,
da ziert er so licht,
umrundend den Schopfe
und tut seine Pflicht.


Das Werte erkennend,
so will er es hüten,
vom Unwerten trennend,
das Rechte vergüten.


Den Finger erhebend,
moralisch und rein,
erklärt er uns schwebend
rechtmäßiges Sein.


Doch wie der Wein rinnt,
wo Wasser gepredigt,
das Scheinen beginnt,
dem Heil sich entledigt.


So scheint er uns heilig,
der Heiligenschein.
Doch hat er’s nicht eilig,
sehr heilig zu sein.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: Genesis - Jesus He Knows Me


Freitag, 4. Oktober 2024

Der Moment

 

Drei Fragen klopfen an die Tür.
Ich bitte sie herein.
Zwei schweigen, eine deutet mir,
sie wird die Erste sein.


"Wo bist du?" fragt sie mich sodann.
Meine Antwort lautet: "Hier."
Da tritt der zweite Gast heran
und wendet fragend sich zu mir.


"Kannst du mir die Uhrzeit sagen?"
Ich entgegne: "Es ist jetzt."
Eines lass uns dich noch fragen,
sage uns zuallerletzt:


"Weißt du denn auch, was du bist?"
- "Was das Gleich vom Gestern trennt,
was nicht war, nicht wird, nur ist.
Was ich bin, ist der Moment."


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert vom Pfad des friedvollen Kriegers