Freitag, 24. November 2023

Der Weisheit erster Tag


Könnt’ ich nur von vorn beginnen,
mich eines Besseren besinnen.
Die Zeit nochmal auf Anfang stellen,
Entscheidungen ganz anders fällen.


So Vieles täte ich viel weiser
und spräche einiges viel leiser.
Und manches hätt’ ich laut gesagt,
ich hätt’ so Vieles mehr gewagt.


Ich wünschte ich hätt’ den verbannt,
der niemals meinen Wert erkannt
und jeden, der mich je verletzt,
und jeden, der mich nie geschätzt.


So viele Menschen meinten’s gut.
Sie halfen auf und schenkten Mut.
Ach hätt’ ich sie nie ausgeschlossen,
so viele Tränen nie vergossen.


Doch wenn ich ehrlich zu mir bin,
wo bliebe nach alldem der Sinn?
Ein Leben ohne „hätte“, „würde“
vielleicht die allergrößte Bürde.


Ich möchte lieber nichts bereuen,
noch jemals diese Wahrheit scheuen,
aus all der Not wuchs das heran,
was ohne Not nicht wachsen kann.


Und dort, wo das Bedauern endet,
dort wo man sich dem Sinn zuwendet
und wo wir trotzdem dankbar sind,
der Weisheit erster Tag beginnt. 


© Nicole Schönfeld 2023


Samstag, 18. November 2023

Ein letztes Lächeln

 

Du hast stets einfach so gemacht,
nicht alles hundertfach durchdacht.
Warst jederzeit voll Energie,
ein „geht nicht“ gab es bei dir nie.


Das Leben hast du angepackt.
Bist nie im Selbstmitleid versackt.
Dein Tempo immer etwas schneller,
der Tag durch dich gleich so viel heller.


Es gab noch so vieles zu sehen.
Es war noch nicht die Zeit zu gehen.
Warst noch so jung und voller Leben,
nichts zu bereuen und zu vergeben.


Ich habe dich so sehr bewundert.
Ich dachte immer, du wirst hundert
und wirst dann noch als alte Frau
all das tun, was ich mich nie trau'.


Ich sag dir jetzt, wie ich es seh',
es klingt vielleicht wie ein Klischee.
Du bist noch hier und bist doch fort
im gleichen Raum, ein and'rer Ort.


Ich weiß, dass es so richtig ist,
und dass es dir dort, wo du bist
nun besser geht - bist nun vereint
mit ihr - du hast so lang geweint.


Ein letztes Mal die Augen schließen.
Den letzten Klang im Ohr genießen.
Ein Lächeln zierte dein Gesicht
auf deinem letzten Weg ins Licht.


Marlen - Für immer in unseren Herzen!

© Nicole Schönfeld 2023


Freitag, 17. November 2023

Mit Leib und Seele

 

Im Büro brennt früh schon Licht.
Das Amt, das wartet nun mal nicht.
Der zehnte Tag steht wieder an,
und bald schon tippt ein Jedermann
sich eifrig seine Finger wund
und sitzt noch da zu später Stund.


Es hallen Sätze durch den Raum.
Mehr Fetzen, man versteht sie kaum.
„Ohne Beleg kann ich nicht buchen.“
„Ich muss die Differenz noch suchen.“
„Buch dies auf durchlaufende Posten,
die Abrechnung auf Nebenkosten.“


„Ruf schnell noch den Mandanten an,
ob er uns noch was schicken kann.“
Er kann es nicht, drum tut's uns leid,
er hatte schließlich reichlich Zeit.
„Dann buchen wir nun ohne Steuer
und diesen Monat wird es teuer.“


„Wie schreibe ich das Fahrzeug ab?“
Die Lider sinken schon herab.
Doch weiter geht's mit müdem Blick.
Hier noch kopieren, dort noch ein Klick.
Auf Tippstreifen wird aufsummiert,
ein letztes Mal noch kontrolliert.


Und morgen zieht der Zyklus dann
mich wieder ganz in seinen Bann.
Ich werde zetern, werde fluchen,
weiter tippen und weitersuchen.
Dies ist es, was ich täglich wähle,
bin Buchhalter mit Leib und Seele.


© Nicole Schönfeld 2023


Sonntag, 12. November 2023

Sinn des Alltags - Des Kummers Lehren


Ich glaube, ein jeder von uns kennt dieses furchtbare Gefühl. Du wachst morgens auf, noch betört von deinem schönen Traum und innerhalb weniger Sekunden schlägt dir die Realität wie eine Hand aus Stahl direkt in dein Gesicht. Auf kurze Orientierung folgen Fragen wie: „Ist das wirklich passiert?“ oder „Habe ich das wirklich getan?“ Der Schmerz kehrt zurück. Irgendetwas hat dein Leben aus der Bahn geworfen. Eine Trennung, eine Kündigung, eine schwere Diagnose, der Tod eines geliebten Menschen, ja vielleicht sogar irgendetwas, von dem du dich selbst losgesagt hast und jetzt neuen Halt finden musst. Du klaubst dich aus dem Bett und bist sofort mittendrin in diesem Wust aus Schmerz, Dunkelheit und Trauer. Und du kannst nicht glauben, dass dir das schon wieder passiert. Du kennst dieses Gefühl, du weißt auch, dass du es schon einmal überstanden hast. Und dennoch scheint sich alles in dir zu sträuben, da noch einmal durchzumüssen. Es gibt kaum Worte, die deinen Schmerz in diesen Momenten zu lindern vermögen. Ich kenne das. Und doch waren es immer tröstliche Worte, nach denen ich Ausschau hielt. Wann immer ich mit irgendwem über meinen Kummer sprach, hoffte ich insgeheim auf diesen einen Satz, der mir helfen würde, meine Sichtweise wenigstens für einige Minuten zu verändern. Minuten, die in solchen Zeiten eine Welt bedeuten können. Minuten, die uns Kraft schenken könnten, noch einen Tag durchzuhalten. Ich wünsche mir, dass die folgenden Worte das für dich tun. 


Ein klischeehafter Vergleich - Der Muskelkater

Sicherlich kennst du den Schmerz eines Muskelkaters, oder? Man hat trainiert, hat sich was zugetraut, man ist an seine Grenzen gegangen. Und nun hat man den Salat. Stimmt’s? Nun, wenn ich Muskelkater habe, dann stört er mich kaum, weil ich weiß…

 ..woher er kommt und,

 ..dass er wieder geht und,

 ..dass dieser Schmerz mich langfristig stärker macht!

Hast du dir schon einmal überlegt, dass Lebenskrisen nichts anderes sind? Egal aus welchem Grund du dich grade fühlst, wie du dich fühlst, solltest du dir die folgenden Fragen stellen: 

Woher kommt mein Schmerz?

Wenn du ehrlich zu dir bist, folgt jetzt die Erkenntnis, dass dein Schmerz daherkommt, dass du etwas gewagt hast in diesem Leben. Du hast dich vielleicht getraut, tief und innig zu lieben. Vielleicht hast du von dir aus einen großen Schritt gewagt und bist erschrocken über deine eigene Courage. In jedem dieser Fälle hast du vor allem eines getan. Du hast gelebt!

Weiß ich, dass dieser Schmerz wieder geht?

Nun, wenn du ganz ehrlich zu dir bist, musst du diese Frage mit einem klaren JA beantworten. Und in diesem einen Punkt gebe ich dir sogar ein Versprechen. JA, der Schmerz wird wieder gehen. Er wird selbst dann gehen, wenn du gar nicht wolltest, dass er geht. „Die Zeit heilt alle Wunden“ heißt es und so abgedroschen dieser Spruch auch klingen mag, die Wahrheit dahinter lässt sich nicht leugnen. Anfangs sind es vielleicht nur ein paar Sekunden am Tag, in denen du wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen glaubst. Für einen sehr kurzen Moment kommt da vielleicht sogar ein kurzes inneres Vorfreuen auf. Du spürst und weißt in diesem Moment, dass da noch so viel vor dir liegt, das du jetzt noch nicht sehen kannst. Zu Beginn wird die Trauer und der Kummer überhandnehmen. Immer wieder wirst du für lange Zeit in den Schmerz zurückfallen, doch beruhige dich mit dem Gedanken, dass es hier nur darum geht, durchzuhalten. Die schlechten Phasen werden abnehmen, die guten Phasen werden sich ausdehnen. Morgen fühlst du diese Vorfreude dann schon ganze zwei Minuten und in einigen Wochen wirst du vielleicht schon einige Stunden am Tag in der Lage dazu sein, dich gut zu fühlen. JA, der Schmerz wird vergehen!

Wird mich diese Krise stärker machen?

Ich weiß genau, was du jetzt denkst. Du fühlst dich wie ein verwundeter Soldat inmitten eines Schlachtfeldes und auf deine Frage, wofür das alles gut ist, antwortet der Befehlshaber: „Wenn du das geschafft hast, bekommst du einen Bonbon, Geschmack darfst du dir aussuchen.“ Niemand bei Verstand würde sich gerne verwunden lassen auf feindlichem Terrain, nicht wissend, ob man überlebt mit der Aussicht auf einen Bonbon mit Himbeergeschmack. Meist fühlen sich Krisen zu Beginn genauso an. Die Krise nimmt eine überdimensionale Größe an und der Sinn dahinter scheint uns so nichtssagend, dass wir dankend ablehnen wollen. Aber glaube mir, du wirst den Sinn hinter deiner Krise irgendwann doch sehen und es wird mehr als nur ein Bonbon sein. In diesem Moment deines Lebens magst du glauben, dass das ohnehin keine Rolle spielt. Du willst dich nur endlich wieder besser fühlen. Aber vertraue mir, aus Schmerz erwächst Erkenntnis. Die Erkenntnis, dass man ohne den Schmerz nicht wüsste, wie wichtig es ist, die kleinen Momente im Leben ausreichend zu schätzen. Die Erkenntnis, dass man selbst irgendwann vielleicht eine gelassenere Sicht auf das Leben haben wird. Die Erkenntnis, dass all das passieren musste, weil etwas viel passenderes auf dem Weg zu uns war. Die Erkenntnis, dass man viel stärker geworden ist und Dinge, die uns gestern noch Angst machten, uns heute nur noch ein müdes Lächeln abringen und das eine kann ich dir sagen. Je weniger Angst du hast, desto freier und offener wirst du dem Leben entgegentreten.  Und dann gibt es da noch diese Erkenntnis, dass das Leben nun mal Veränderung ist und das ohnehin jeder da durchmuss…

Freitag, 10. November 2023

Gottes Urteil

 

Ich weiß, was ihr da oben tut!
Doch statt der Angst, die ihr so sehnt
erwächst in mir ein großer Mut,
der all das, was ihr seid, ablehnt!


Gespalten ist all euer Sein,
gelogen jedes einzeln Wort
und sagt uns, jeder Mensch sei klein,
und macht die Welt zum Schandtatort!


Die Schande, das seid einzig ihr,
das menschlich Gute euch so fern!
Erfüllt seid ihr von Hass und Gier!
Verdorben seid ihr schon im Kern!


Geschichte schreibt ihr täglich um,
die Lüge euer täglich Brot!
Ich schweige nicht, ich bleib nicht stumm!
Eure Seelen sind längst tot!


Ihr wisst genau, wer uns erschuf,
die Angst treibt euch voran.
Denn immer lauter tönt sein Ruf,
in jedes Herz, in Jedermann.


Ich sag es euch, ihr scheut es noch,
das Gute wird obsiegen!
Bleibt ihr nur dort in eurem Loch,
in das ihr abgestiegen.


So lasst uns stets in Wahrheit weilen,
lasst uns friedlich alles schlichten!
Gottes Urteil wird sie ereilen!
Gott sieht alles und wird richten!


© Nicole Schönfeld 2023


Ein schmaler Grat

 

Es ist ein schmaler Grat
auf dem wir täglich wandeln.
Gefährlich dünn der Pfad,
ein stetig neu Aushandeln.


Der nächste Schritt könnt' schon
der letzte für uns sein!
Des Lebens eisern Hohn
- er sichert uns im Schein!


Geschmiedet längst der Plan
für alle künftig Zeit.
Hauchdünn nur die Membran,
ein schattenhaft Geleit.


Drum lasst uns frohen Mutes
dem Schicksal uns ergeben!
Stets dankbar sein für Gutes,
das beste Leben leben!

© Nicole Schönfeld 2023


Der Regen

 

Das ist mir der Regen
an düsteren Tagen,
Verständnis und Segen,
wenn Tränen versagen.

Das ist mir die Nacht
in lauten Zeiten.
So stille Andacht,
so endlose Weiten.

Das ist mir der Wind
wenn alles stagniert,
mein inneres Kind
sich selbst nicht verliert.

So möge es regnen,
und möge es Wind sein
und lasset uns segnen
die Nacht und den Mondschein.

Lasst Tränen fließen,
lasst Stille walten,
die Augen uns schließen
und uns entfalten!


© Nicole Schönfeld 2023