Freitag, 27. September 2024

Selbstbetrug

 

Perfekt bist du und besser noch,
dein Antlitz dir von höchstem Wert.
Es scheint von Zeit zu Zeit jedoch
im Angesicht der Welt verzerrt.


So endlos ist dein Selbstbetrug,
so tief vergraben alle Scham.
Kein wahres Wort je wahr genug,
das jemals deinem Mund entkam.


Dort stehst du also ganz allein
und fehlerfrei auf dem Podest.
Bist ewig groß und niemals klein,
hast dich als Kind nie eingenässt.


Mit diesem Bild wuchst du heran,
bist dir im Spiegel nie begegnet.
Ich bitte nur, piss’ mich nicht an
und erzähl mir, dass es regnet.


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 13. September 2024

Subventionsmaximierer

 

Sie maximieren Subventionen.
Leben dafür, sich zu schonen
und erfreuen sich daran,
sich fürs Nichtstun zu belohnen.


Egoistische Aktionen
schaffen gleicherlei Optionen.
Dabei werden sie nicht müde,
Altruismus zu betonen.


Drohen ihnen dann Sanktionen,
folgen scheinbar Emotionen,
sind die Ausreden parat
in schier endlosen Versionen.


Und mit allerlei Aktionen
übergehen sie Personen,
die dem Zwecke dienlich sind.
Leben muss sich schließlich lohnen.


Und so scheinen Subventionen
über allem Fleiß zu thronen,
ist der Anstand nur Relikt
längst ergrauter Konventionen.


© Nicole Schönfeld 2024


Der Eremit

 

Ein Eremit durchstreift den Wald.
Laternenlicht erhellt der Pfad.
Es fröstelt ihn so bitterkalt
auf diesem Weg, den er betrat.


So lang lebt er in Einsamkeit.
Alleinsein hat er kultiviert,
als dort am Horizont, nicht weit,
ein Leuchten ihn hell anvisiert.


Das Leuchten arglos, lebensfroh,
es hüllt ihn ganz und gar in Licht.
Es glimmt und lodert lichterloh,
als es im Schwinden wieder bricht.


Der Einsame beschließt empört,
dem Leuchten hinterherzueilen.
Es hat ihm jedoch nie gehört,
es darf nur im Moment verweilen.


So sucht in Zeit und Ewigkeit
der Eremit, doch findet nicht
die leuchtende Glückseligkeit,
ihm bleibt nur sein Laternenlicht.


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 6. September 2024

Das Beste

 

Mit dir schien jeder Himmel nah
und alle Trübnis deutlich, klar.
Dein Wort hat mich so tief bewegt,
hab es gehegt, hab es gepflegt
in mir, wo es ganz sicher war.


Unendlich schön schien jeder Tag,
an dem dein Auge auf mir lag,
mein Herz mit bloßem Blick verführte
und alle Hoffnung in mir schürte,
dass es niemals enden mag.


Betört, von aller Zeit entrückt,
vom Bann der Perfektion verzückt,
da sah ich nicht, was wirklich ist,
dass Perfektion das Echte frisst
und alles Wahre unterdrückt.


Da hab ich mich zutiefst geschämt,
unwert gefühlt und auch gegrämt.
Nicht gut genug für deine Welt,
hab ich mein Leuchten ausgestellt,
vom Druck der Perfektion gelähmt.


So war dein Auge letztlich blind
für das, was jedes Herz gewinnt,
so es sich von den Masken trennt
und aufrichtig in sich erkennt,
dass Fehler stets das Beste sind.


© Nicole Schönfeld 2024


Sonntag, 1. September 2024

Herzgestein

 

Seit Anbeginn der Zeit ersehnt
im Unglück der Erfahrung,
ein Herz auf Suche, ausgedehnt,
nach sättigender Nahrung.


Da findet es, gar fast verwaist,
ein anderes, goldenes Herz,
um das sich alle Freude kreist,
vergessen ist der Schmerz.


Im Takte ihrer Zweisamkeit,
entzückt von allem Glück,
ist eines nicht zum Glück bereit
und kehrt zum Schmerz zurück.


Es war einmal ein Herz so rein,
so liebend und so stark.
Nun ziert ein rotes Herzgestein
den Platz, wo es einst lag.


© Nicole Schönfeld 2024