Mittwoch, 28. Februar 2024

Wir sind viele


Den grenzdebilen niemals Denkern,
Wendehälsen, Meinungslenkern,
den wertelosen Opportunisten
und Schönwetter-Pazifisten


gehört die Welt in dieser Zeit.
Der Untergang scheint nicht mehr weit.


Wo Sodom und Gomorra wohnt,
wo Empathie sich nicht mehr lohnt,
wo schamlos sich mit Ekel paart,
sich jedes Siegel offenbart, 


ist diese Welt dem Abgrund nah,
wie sie es zuvor selten war.


Wo Kriege wieder angepriesen,
jeder schreit nach neuen Krisen,
wo Moral sich doppelt kleidet,
Nachbar wieder Nachbar meidet,


wird die Zeit sich wiederholen
unter ihren Kriegsparolen.


Ich atme tief und frage still
den Frieden in mir, was er will.
Er richtet meinen Blick zu jenen,
die überall das Gute wähnen.
Den arbeitslosen Diplomaten,
den letzten Hütern guter Taten,
den eisern stehend Lichtgestalten
ruf ich zu ganz ungehalten:


„Die Hoffnung stirbt erst vor dem Ziele.
Wir sind nicht wenig, wir sind viele!“


© Nicole Schönfeld 2024


Freitag, 23. Februar 2024

In Wellen


In Wellen kehrt zurück
ein unsichtbar Begleiten,
nach einem Augenblick
durch unendliche Zeiten.


Dies kleine Lesestück
mit unbegrenzten Seiten.


In Wellen rauscht heran,
umströmend meinen Tag,
dass ich noch spüren kann,
was ich nie sagen mag.


Ein bittersüßer Bann,
dem ich so gern erlag.


Die nächste Welle trägt
mich endlich mit hinfort.
Hab mich hineingelegt
und gleite an den Ort,


zu dem sie mich bewegt.
Mein Lebenssinn ist dort. 

© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von: Balmorhea - Bowsprit


Sonntag, 18. Februar 2024

Der Narzisst


Er steht so gern im Rampenlicht,
des Lebens Bühne seine Welt,
wo jedes Ohr und jede Sicht
auf ihn gerichtet, ihn erhellt.


Der talentierteste Artist
ist er, der großartige Narzisst.


Bewundernd blickst du zu ihm auf
und hat er dich dann auserkoren,
so schmückst du seinen Lebenslauf.
Oh wisse, du hast längst verloren!


Noch weißt du nicht, dass es so ist,
erkennst ihn doch nicht als Narzisst.


Symbiotisch fühlt er sich vereint
mit dir, du bist sein größtes Glück.
Sein Diamant, durch den er scheint,
sein ihm so gleiches Gegenstück.


Du wusstest nicht, was du vermisst,
bis er dich liebte, der Narzisst.


Da trifft dich bitterkaltes Schweigen.
Ganz unverhofft, noch gestern hing
der Himmel für dich voller Geigen,
als er zur Nächsten überging.


Und dort, wo sonst die Würde ist,
befindet sich nun der Narzisst.


Und steht er dann ganz tränenreich
mit süßen Lügen im Gepäck
vor deiner Tür und klopft dich weich,
ist dir, als war er niemals weg.


Sein Wort nur eine weitere List,
er ist und bleibt nun mal Narzisst.


So hält das Spielchen lange an,
weil er es mit dir machen kann.
Er schweigt, er straft, manipuliert,
er schreit, er lügt, trianguliert.
Erst wenn du gänzlich ausgesaugt,
benutzt, erniedrigt, ausgelaugt,
für ihn nicht mehr von Nutzen bist,
da zieht er weiter, der Narzisst.


© Nicole Schönfeld 2024

Inspiriert von:  Carly Simon - You're So Vain


Freitag, 2. Februar 2024

Die Welt in mir

 


Zum Gedicht "Die Welt in mir"

© Nicole Schönfeld 2024



Besucher

 

Wir sind nur zu Besuch
in dieser wirren Welt.
Mal Segen, manchmal Fluch,
ein unbeschrieben Buch.
Wer hat uns herbestellt?


Und im Gesichter Meer
der grau in grau Gestalten,
da irren wir umher,
der Augenschimmer leer,
ein Vorwärts ohne Halten.


So schreiten wir im Takt
und Gleichschritt nebenher.
Noch allzu hübsch verpackt,
in Wahrheit jedoch nackt
und sinnen auf noch mehr.


Doch wie die Zeit vergeht,
ein Sinn sich uns versagt.
Im Kreise man sich dreht,
am Anfang wieder steht.
Man hat uns nicht gefragt.


Zu meinen Bildern

© Nicole Schönfeld 2024